Snackbaguette
Nicht jedes gute Kleingebäck braucht eine Vielzahl an Vorteigen oder ausgeklügelte Fermentationsmodelle. Oft reicht ein einfaches, stabiles Grundrezept und vor allem eines: Zeit. Genau aus diesem Gedanken heraus ist dieses Snack-Baguette entstanden.
Es ist ein unkompliziertes Kleingebäck für den Alltag. Für die Jause, für unterwegs oder als schnelle Beilage. Ohne großen technischen Aufwand, dafür mit ehrlichem, ausgewogenem Geschmack.
Aroma entsteht durch Zeit
Ich bin ein großer Freund von Vorteigen und unterschiedlichen Teigführungen, die gezielt in die Fermentation eingreifen. Sie haben ihre Berechtigung und liefern großartige Ergebnisse. Doch nicht jedes Rezept muss diesen Weg gehen.
Bei diesem Snack-Baguette entsteht das gesamte Aroma ausschließlich über die lange, kühle Gare. Der Teig bekommt ausreichend Zeit, sich langsam zu entwickeln. Enzymatische Prozesse laufen kontrolliert ab, Hefen arbeiten gleichmäßig und es bilden sich Aromen, die man sonst oft nur von Vorteigen kennt.
Die Herstellung ist bewusst einfach gehalten. Der Teig wird gemischt, kurz entwickelt und anschließend kühl geführt. Keine ungewöhnlichen Führungsarten, keine zusätzlichen Teigstufen und keine engen Zeitfenster.
Gerade für Einsteiger ist das ein großer Vorteil. Das Rezept ist stabil, gut planbar und verzeiht kleinere Abweichungen. Gleichzeitig liefert es ein Ergebnis, das auch erfahrene Bäcker geschmacklich überzeugt.
Die lange, kühle Gare sorgt für eine feine Aromatik, eine leichte Süße und eine sehr angenehme Bekömmlichkeit. Die Krume wird saftig und locker, die Kruste dünn und rösche.
Viele der geschmacklichen Eigenschaften, die man von Vorteigen kennt, lassen sich hier allein über Zeit erreichen. Mit minimalem Aufwand und ohne zusätzliche Komplexität.
Nicht jedes aromatische Gebäck muss technisch aufwendig sein. Dieses Rezept zeigt, wie viel Geschmack mit einem einfachen Rezept und einer langen, kühlen Gare möglich ist.
Einfach in der Herstellung.
Stabil in der Führung.
Voll im Geschmack.
Rezept
für ein Teiggewicht von 1735g / 12 Stk zu je 145g Teigeinlage
Hauptteig
| 1000g | Weizenmehl 550/700 |
| 680g | Wasser 10°C |
| 25g | Salz |
| 15g | Hefe |
| 15g | Honig |
Herstellung
Mehl und Wasser miteinander vermischen und 3 Minuten langsam mischen. Den Teig abdecken und 30 Minuten zur Autolyse stehen lassen.
Anschließend Hefe, Salz und Honig hinzufügen und den Teig 7 Minuten langsam mischen. Sobald sich der Teig von der Kesselwand zu lösen beginnt, den Teig weitere 3 Minuten schnell auskneten.
Nach der Teigherstellung den Teig in eine leicht geölte Teigwanne geben und 30 Minuten entspannen lassen. Anschließend den Teig einmal falten und weitere 45 Minuten entspannen und reifen lassen.
Nach der eingehaltenen Teigreife den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche kippen und in zwölf gleich große Teigstücke teilen. Die Teiglinge locker zu länglichen Zylindern aufrollen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche ablegen.
Die Teiglinge abgedeckt mit Plastikfolie 15 Minuten entspannen lassen. Danach die Teiglinge zu Baguettes formen und entweder direkt auf ein Backblech absetzen oder in ein bemehltes Leinentuch legen.
Die geformten Baguettes abgedeckt mit Plastikfolie im Kühlschrank bei etwa 6 °C reifen lassen. Die Reifezeit beträgt mindestens 12 Stunden, optimal sind 15 bis 18 Stunden.
Zum Backen die Teiglinge direkt aus dem Kühlschrank entnehmen, auf einen Backschieber oder auf ein mit Dauerbackfolie belegtes Backblech absetzen. Mit einem scharfen Messer zweimal längs einschneiden und mit kräftigem Schwaden bei 240 bis 245 °C in den Ofen einschieben.
Nach dem Anbacken die Temperatur auf 235 °C reduzieren und die Baguettes 17 bis 18 Minuten goldbraun backen.














36 Kommentare
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Carola Kruthoff
Ich mag die kalte Stückgare. Die Snackbaguette waren heute Morgen innerhalb einer Stunde auf dem Frühstückstisch. Sie sind knusprig, großporig und sehr aromatisch. Gebacken habe ich sie mit T65. Danke Dietmar fürs Rezept. LG Carola
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Dirk
Sehr lecker und perfekt für ein schönes Frühstück. Ich hatte sie auf Leinen in einer Pizzaballenbox im KS, Das nächste Mal werde ich sie direkt auf dem Lochblech im KS lagern.
Danke und Gruß, Dirk
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Dietmar Kappl
Genau so einfach sollen diese gemacht werden 🙂
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Herbert
Hallo Dietmar,
könnte ich das Rezept auch mit T65-Mehl machen?
Und kann man die Teigmenge halbieren für 6 Stück?
Viele Grüße Herbert
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Dietmar Kappl
Hallo Herbert,
ja klar – funktioniert beides einwandfrei 🙂
Lg. Dietmar
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Helmut
Hier die Excel-Datei.
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Dietmar Kappl
?
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Helmut
Sorry, hab 2-mal versucht, die Excel-Datei hochzuladen, leider nicht funktioniert.
Gruß
Helmut
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Stefan
Lieber Helmut – wie wäre es mit einem Link, z.B. auf google drive oder dropbox, wo Du die Datei abstellst und nur den direkten Link zur Datei teilst?
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helmut
Look hier
https://jakobinet.at/Gertis_70er/seite/poolish_reifezeit_berechnen.xlsx
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helmut
Cloud mag i ned, gib mir a mail-adresse.
Gruß
Helmut
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Helmut
Hi Herr Kappl!
Verwende gerne Langzeit-Vorteige für Weizengebäck, habe aber leider zu wenig Platz für Reifetemperaturen von 4 – 7 °C.
Gehe nunmehr seit einiger Zeit wie folgt vor:
Ich berechne die erforderliche Reifezeit in Abhängigkeit der Reife-Temperatur und des Germ-Anteils. So kann ich z.B. bei gegebener Temperatur durch entsprechende Auswahl des Germ-Anteils die erforderliche Reifezeit beliebig einstellen.
Die dafür verwendete Formel hab ich – nach div. Recherchen im Internet – selbst zusammengestoppelt und in beiliegender Excel-Datei dargestellt.
Wie gesagt: Es funktioniert für einfache Weizenvorteige (Biga, Poolish et.) sowie für einfache Weizenteige (ohne Vorteig oder sonstige zusätzliche Triebmittel) tadellos.
Mit freundlichem Gruß
Helmut
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Dietmar Kappl
Hallo Helmut,
ja wenn man so eine Formel für sich ausrechnet, kann man natürlich perfekt ohne kühle Gare arbeiten.
Lg. Dietmar
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Markus Heise
Guten Morgen Dietmar, vielen Dank für das Rezept. Das ist die halbe Menge, da ich sie sonst nicht in den Kühlschrank bekomme. Ich habe sie auf ein kleines Baguetteblech im Leinentuch abgedeckt mit Folie 15 Stunden reifen lassen.
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Dietmar Kappl
Hallo MArkus,
boa mir gefallen die Baguette mit den länglichen Schnitten extrem !!!!!
Klasse Form 🙂
Lg. Dietmar
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Markus Heise
Hier noch ein Foto vom Anschnitt.
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Dietmar Kappl
Cool 🙂
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Richard Meier
Hallo Dietmar, die sehen super aus, die mache ich auch. Aber sind den 1,5% Hefe nicht zu viel bei 6 Grad über 12 Std. oder mehr?
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Dietmar Kappl
Hallo Richard,
wenn der Kühlschrank wirklich 6°C hat, dann nicht – wenn er aber auf 8-9°C raufgehen sollte dann JA 😉
Lg. Dietmar
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Christian Lux
Hallo Dietmar,
prinzipiell ist das mit der langen kühlen Gare im Kühlschrank super. Leider gibt der Haushalts-Kühlschrank meist nicht so viel Platz her, dass man Formen und dann kühlen kann.
Könnte man den Teig lange führen und dann Semmeln abstechen?
Beste Grüße
Christian
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Dietmar Kappl
Hallo Christian,
ja klar funktioniert genau so 😉
Lg. Dietmar
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Stefan
Hallo, ich antworte mal, da mein Baguetterezept fast gleich aussieht (nur verträgt mein Mehl mehr Wasser). Ich verfrachte den Teig nach den 1. 2-3h bei Zimmertemperatur in den Kühlschrank und arbeite dann am Morgen auf. Aus meiner Sicht ist dann auch das Aufarbeiten einfacher, da die lange Teigruhe und die niedrige Temperatur den Teig recht fest macht. Funktioniert bei mir seit Jahren jeden Sonntag 😉
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Dietmar Kappl
Hallo Stefan,
Wasser kann man immer mehr schütten, jedoch ist das Rezept so aufgebaut, das man es sogar sofort nach dem Formen auf Blech absetzten könnte.
Lg. Dietmar
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Stefan
So sieht es dann aus. Diesmal mit Dinkel und Restanstellgut (deswegen nur 0,2% Hefe). Das muss mir erstmal jmd nachmachen. Rezept lesen und 10min später schon ein Foto 😀
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Anastasia Cobet
Hallo Stefan, deine Brötchen sehen super aus! Du nimmst also 2gr Hefe aufs Kilo Mehl. Wieviel Restanstellgut machst du rein? Und wie gehst du morgens vor mit dem Timing? Würde mich über eine kurze Antwort freuen und schicke viele Grüße, Ana
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Stefan
Hallo Ana,
mein vollständiges Rezept: am Vortag (min 18h bis zu 48h vor dem Backen)
100g ASG (Roggen, 200 Teigausbeute)
in 300-320ml Wasser (40°C) auflösen
450g t65 (backstarkes Weizenmehl, wobei das Bild oben mit 630er Dinkel war)
12g Salz
1g Hefe (wenn das ASG nicht älter als eine Woche ist, dann geht es eigentlich auch ohne)
optional 5g Backmalz, hell
Der Teig hat so eine TA von 170-172.
Teig mischen und 2h bei Zimmertemperatur ruhen lassen, alle 20min Strecken und Falten, dann bei 3-4°C bis zum aufarbeiten ruhen lassen.
mit Mehl bestäuben und vorsichtig auf die leicht bemehlte Arbeitsplatte aus der Schüssel kippen. 4 Teile abstechen und vorformen. Abgedeckt entspannen lassen und dann zu Baguette formen und gut bemehlt im Bäckerleinen ca 1h gehen lassen. Einschneiden und bei 250°C 15-20min backen mit reichlich schwanden Backen.
LG
S
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Dietmar Kappl
🙂 🙂 – ich hau mich weg 😉
TOP!!!!!
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Barbara
Habe die selbe Situation und selbe Frage!
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Conny
Hallo Dietmar, dein neues Rezept musste ich sofort ausprobieren. Geschmacklich ist es sehr gut geworden aber mit der Herstellung hatte ich Probleme. Beim Einschneiden sind die Teiglinge zur Plunder zusammengefallen. Ich habe auf 3 x gebacken. Die 1. Lage war 12 Stunden in der Kühlung, die 2. 14 Stunden und die 3. Lage habe ich noch zusätzlich ca 20 Minuten akklimatisieren lassen. Mit der 2. Lage war ich am zufriedensten. Beim nächsten Mal werde ich auch die Baguette kürzer halten. Was aber am Wichtigsten ist: Mann und Jugend waren begeistert. Viele Grüße Conny
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Dietmar Kappl
Hallo Conny,
oje kann passieren, aber du hast wahrscheinlich zu viel Gare gehabt.
Beim nächsten mal einfach früher schneiden.
Lg. Dietmar
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Conny
Das obere Foto zeigt die Baguette mit nur 12 Stunden Kühlung und das untere mit 14 Stunden Kühlung
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Dietmar Kappl
Hallo Conny,
ein kleiner Tipp: du kannst die Teiglinge schon nach wenigen Stunden auf der kühlen Gare schneiden – immer darauf achten, das du ein scharfes Messer verwendest.
Lg. Dietmar
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Irene
Könnte ich auch nur den Teig in den Kühlschrank stellen und die Baguette morgens formen. Danke für die Antwort.
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Dietmar Kappl
Ja kannst du machen – Teig immer zuvor akklimatisieren lassen 😉
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Herbert
Das Intressiert mich auch
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Dietmar Kappl
Wie schon gesagt – JA aber immer akklimatisieren lassen (ganz wichtig)!
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