Alpen-Hoflaib
Die Arbeit mit einem salzgeführten Sauerteig eröffnet spannende Möglichkeiten in der Brotherstellung. Besonders auffällig ist dabei die enorme Zeitspanne, in der sich der Teig stabil verhält. Während klassische Führungen oft ein enges Zeitfenster verlangen, zeigt sich dieser Sauerteig deutlich toleranter.
Durch die Zugabe von Salz wird die Aktivität der Mikroorganismen gebremst, ohne sie jedoch zu schwächen. Das Ergebnis ist ein Sauerteig, der auch nach vielen Stunden noch eine beachtliche Triebkraft besitzt. Gleichzeitig entwickelt sich ein sehr rundes und feines Aromaprofil, das nicht von übermäßiger Säure geprägt ist, sondern angenehm ausgewogen wirkt.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Verarbeitung. Der Teig muss nicht exakt „auf den Punkt“ verwendet werden. Gerade für den Alltag oder für Betriebe mit weniger straffen Zeitabläufen bringt das eine enorme Entlastung. Der Sauerteig verzeiht Schwankungen und bleibt dennoch leistungsfähig.
Die Salzmenge im Sauerteig spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie sorgt nicht nur für Stabilität, sondern beeinflusst auch die Wasseraufnahme und die Teigkonsistenz. In der Praxis bedeutet das, dass die Hydration angepasst werden muss. Oft liegt sie etwas höher, um die gewünschte Teigbeschaffenheit zu erreichen.
In der Triebkraft steht dieser Sauerteig klassischen einstufigen Führungen in nichts nach. Im Gegenteil: Er kombiniert Stabilität mit Aroma und bietet dadurch eine interessante Alternative für viele Anwendungen. Gerade Liebhaber milder, ausgewogener Brote werden hier auf ihre Kosten kommen.
In der Praxis unter Bäcker wird diese Führung auch als Wochensauerteig bezeichnet. Dabei reift der Sauerteig über mehrere Tage hinweg langsam und gleichmäßig aus. Entscheidend ist, dass nach einer gewissen Reifezeit die Temperatur abgesenkt wird, um die Stabilität der Mikroflora zu sichern und ein Überreifen zu vermeiden. So bleibt der Sauerteig kontrollierbar und konstant einsatzfähig.
Bei längerer Lagerung über mehrere Tage hinweg können sich unterschiedliche Aromanuancen entwickeln. Diese reichen von mild und bis hin zu leicht fruchtigen oder kräftigeren Noten, abhängig von Temperaturführung und Zeitfenster. Genau diese Vielfalt macht den Charakter des Wochensauerteigs besonders interessant.
In Zukunft werde ich mich wieder verstärkt auch den klassischen Sauerteigführungen widmen. Dennoch zeigt diese Methode sehr deutlich, wie viel Spielraum und Kreativität im Umgang mit Sauerteig möglich ist. Vielleicht folgt dazu noch ein ausführlicher Beitrag, in dem ich die Unterschiede und Einsatzmöglichkeiten genauer beleuchte.
Ergänzend dazu einige kompakte Eckpunkte, die diesen Sauerteig besonders machen:
– Salzgehalt im Sauerteig liegt bei 2 % bezogen auf die Mehlmenge im SAUERTEIG
– Anstellgutmenge 20 % für eine stabile und gleichmäßige Fermentation
– Teigausbeute im Bereich von TA 180 bis 200, je nach Mehltyp und gewünschter Konsistenz
– Reifezeit flexibel zwischen 18-24 Stunden bei einer Temperaturführung von 35°C fallend auf 20°C
– nach aktiver Anfangsphase gezielte Temperaturabsenkung zur Stabilisierung der Kultur
– deutlich verlangsamte Säurebildung bei gleichzeitig stabiler Hefetätigkeit
– pH-Wert sinkt langsamer, was zu einer milden und harmonischen Aromatik führt
– bei mehrtägiger Führung Ausbildung unterschiedlicher Aromaprofile möglich
– hohe Prozesssicherheit durch breites Zeitfenster in der Weiterverarbeitung 48-72 Stunden bei 20°C
– sehr gute Frischhaltung der Brote durch ausgewogene Säurestruktur
– sowohl für direkte als auch für indirekte Führungen geeignet
– Triebkraft vergleichbar mit klassischen einstufigen Sauerteigführungen
Rezept
für ein Teiggewicht von 1753,5g / 2 Stk zu je 877g Teigeinlage
Monheimer Salzsauerteig
| 55g | Anstellgut |
| 275g | Roggenmehl Type 960/1150 |
| 5,5g | Salz |
| 275g | Wasser 45°C |
- Anstellgut und Salz im Wasser auflösen und mit Roggenmehl klumpenfrei verrühren.
- Ansatztemperatur 35°C und während der Reifzeit fallend auf 20°C
- Reifezeit 18-24 Stunden
Hauptteig
| 610,5g | reifer Sauerteig |
| 475g | Roggenmehl Type 960/1150 |
| 250g | Weizenmehl Type 550/700 |
| 18g | Salz |
| ca. 400-450g | Wasser 35-40°C |
Herstellung
- Alles zusammen 5 Minuten langsam und 1 Minuten schnell kneten.
- Anschließend 30-45 Minuten abgedeckte Kesselgare.
- Zur Aufarbeitung den Teig in zwei gleich große Stücke teilen, zu runden Laiben formen und mit Teigschluss nach unten in bemehlte Gärkörbchen legen.
- Abgedeckt bei Raumtemperatur auf die Endgare stellen (Dauer ca. 45-60 Minuten)
- Zum Backden die Teiglinge auf den Backschieber kippen (Schluss oben) und mit mittleren Schwadenmenge bei 240°C in das vorgeheizte Backrohr schieben.
- Ofentemperatur auf 200°C reduzieren.
- Schwaden kann nach ca. 12-14 Minuten abgelassen werden.
- Backzeit 50 Minuten








22 Kommentare
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Michaela
Hallo Dietmar, ich möchte Dein Alpen-Hoflaib nachbacken und stoße dabei auf zwei grundsätzliche Fragen:
1. Welche Versäuerung hat dein Anstellgut? Ich frische mein ASG immer im Verhältnis 1:4:4 auf. Wie ist es bei dir?
2. Wenn ich den Salzsauerteig von 35 Grad bis auf 20 Grad führe, kann ich den Teig dann bei einer Raumtemperatur von 20 Grad mit einer Anschütttemperatur des Wassers von ca. 50 Grad starten? Oder ist das zu hoch?
Lieben Dank vorab
Michaela
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Dietmar Kappl
Hallo Michaela,
1. wenn dein Sauerteig nicht älter ist als 7 Tage, dann brauchst du diesen vor dem Backen nicht neu Aufzufrischen. Auffrischungsverhältnis passt perfekt 🙂
2. ja wenn dein Sauerteig direkt aus dem Kühlschrank kommt, musst du 50°C schon nehmen – das wäre aber für mich die oberste Grenze.
Lg. Dietmar
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Uli
Hallo Michaela,
Bzgl. deiner Frage 2: Die Salzsauermethode wird von Lutz Geißler sehr häufig in seinen Rezepten genutzt. Er gibt dazu eigentlich immer 50 Grad warmes Wasser in die Schüssel, darauf das Mehl und darauf den Sauerteig und verrührt dann alles, damit das Anstellgut durch das heiße Wasser nicht geschädigt wird. Ich mache es auch immer so und habe noch nie Probleme gehabt.
Schöne Grüße
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Dietmar Kappl
Ja ist eine gute Möglichkeit den Sauerteig schonend zu verrühren 😉
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Michaela
Hallo Uli, lieben Dank, dann mache ich das auch so. LG
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Fabian Rieker
Hallo Didi,
Mein Sauerteig hat sich nach 16 h schon verdoppelt also habe ich früher gebacken. Teigtemperatur war 28 C. 1 45 min Kesselgare, 60 min Stückgare. Hat wunderbar geklappt
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Dietmar Kappl
Hammer und die Porung ist der Kracher!
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Paul Lutz
Hallo Dietmar,
den Monheimer Salzsauerteig hatte ich bis jetzt noch nicht auf meiner Backliste. Dein aktuelles Rezept kam mir jetzt gerade recht. Diese Sauerteigführung gefällt mir gut, nicht so kompliziert wie manch andere und gelingsicher mit einem guten Aroma.
LG Paul
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Dietmar Kappl
Bin ich froh das es dir genau so eght wie mir 🙂
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Hans-Dieter
Hallo Dietmar,
diese ST Führung habe ich noch nicht versucht bis jetzt.
Also die 22h und 35 C TT fallend auf 20 C war eine Herausforderung:)
Der Tegl ist mir schön übergegangen aber ich habs dann mit TA 170 versucht.
Ist am Ende super geworden u sehr dem Gassenhauer Rezept ähnlich,
also von Ergebnis her.
Super saftige Krume u mild,
so wie du schreibst.
Lässt sich gut in den Alltag einbauen,
Besten Dank.
lg
Hans-Dieter
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Dietmar Kappl
Hallo Hans-Dieter,
volle Punktzahl 🙂 🙂
Mehr geht nicht!!
Lg. Dietmar
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Hemma
Hallo Dietmar
Heute im Holzbrotbackofen gebacken , ist wunderbar geworden.
Danke für das tolle Rezept
Liebe Grüße
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Dietmar Kappl
Boa im Holzofen sicher ein brutales Aroma 🙂 🙂
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Oliver
Gleich mal nachgebacken. Hatte für den Hauptteig zwar kein “normales” Roggenmehl mehr und hab es durch Vollkorn ersetzt und etwas mehr Wasser hinzugegeben.
Optisch bin ich zufrieden … bin gespannt auf den Geschmack. Danke für das Rezept!
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Oliver
Auch gleich mal nachgebacken. Hatte zwar kein “normales” Roggenmehl mehr für den Hauptteig (hab Roggenvollkorn genommen und etwas mehr Wasser dazu).
Bin auf den Geschmack gespannt.
Danke für das Rezept!
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Dietmar Kappl
Oliver die Optik istd er Hammer – Tornadokruste 🙂 🙂
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Yvonne
Hallo Dietmar, kann man den Salzgefühten Sauerteig auch mit Roggenschrot /Vollkornmehl ansetzen? Gibt es etwas zu beachten ?
LG Yvonne
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Dietmar Kappl
Hallo Yvonne ,
klar nur vielleicht mit 10% mehr Wasser ansetzten 😉
Lg. Dietmar
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Stefan
Gestern direkt nachgebacken. Leider etwas breit gelaufen aber im großen und ganzen bin ich sehr zufrieden. Danke für das Rezept!
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Dietmar Kappl
🙂 🙂 🙂 – da starhlt sogar die Sonne 😉
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Sebastian
Lieber Dietmar, vielen Dank mal wieder für ganzen tollen Rezepte. Hat sehr gut geklappt! Hier mein Ergebnis bei 410g Wasser
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Dietmar Kappl
Klasse Sebastian 🙂
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