Le Pain â la Semoule
Das “Le Pain â la Semoule” eignet sich großartig für Backanfänger, denn es ist schnell und einfach zubereitet. Der Grieß gibt dem Brot eine hohe Teigausbeute und das Olivenöl macht die Brotkrume zusätzlich weich und lange haltbar.
Für Grillabende kann man diesen Teig auch mit Tomaten, Oliven und Gewürzen (Rosmarin, Oregano,..) anreichen. Nach der Aufarbeitung wird das Brot über eine lange und kühle Gare geführt. Durch die lange Teigreife gewinnt das Brot zusätzlich an Aroma und auch der Zeitablauf ist leichter zu steuern.
Da sich in letzter Zeit Fragen zu Süßbläschen gehäuft haben, möchte ich über meine Erfahrungen mit langer Teigreife berichten.
Wissenswertes über „Lange Teigreife“
- Bei 5°C wird die Hefetätigkeit weitestgehend gedrosselt und arbeitet nur noch mit 10% ihrer eigentlichen Gärleistung. Die Enzyme arbeiten aktiv weiter. und somit beschränkt sich die Gärleistung keineswegs auf die Hefe, sondern dient ebenso der Kontrolle der Enzymtätigkeit.
- Bei 8-10°C bilden sich intensiv Aromastoffe – dies führt zu einem besonders guten Geschmack bei Brot und Gebäck.
- Auch gilt: je höher die Lagertemperatur und je länger die Reifephase, desto gröber wird die Porung der Krume (stärkere Hefegärung). Weil dabei auch mehr Zucker aus der Stärke freigesetzt wird kommt es zu einer stärkeren und schöneren Krustenfärbung.
- Sogenannte „Süßbläschen“ – auch Eiweißsprenkel genannt – treten bei enzymstarken Mehlen und bei hohen Teiglagertemperaturen (+7°C in der Hauptlagerphase) auf. Wird zusätzlich auch noch Weizensauerteig eingesetzt steigt die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens abermals an. Auch Schwitzwasser an der Teigoberfläche scheint deren Bildung zu fördern.
- Das Problem ledriger Krustenhaut nach dem Backen lässt sich bei einer Lagerung unter 5°C vermeiden.
- Die Einhaltung von optimaler Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung ist sehr wichtig! Zu hohe Luftbewegung in der Kühlung verursacht eine Austrocknung der Teigoberfläche – ein kleines Volumen und eine matte Kruste sind die Folgen. Auch überfeuchte Teiglinge führen zu Gebäckfehlern wie einem schmalen Ausbund und einer breit laufenden Form.
- Es gilt: je enzymstärker das Mehl desto niedriger die Lagertemperatur! Lagertemperaturen um 0°C sind bei starken Mehlen zu bevorzugen. Enzymschwache Mehle eignen sich gut zur Gärverzögerung (-8°C) und erzielen dadurch ein intensiveres Aroma.
Rezept
für ein Teiggewicht von 880g / 2 Stück 440g Teigeinlage:
Weizensauer:
- 50g Weizenmehl T65
- 50g Wasser
- 5g Anstellgut
TT: 28°C TA: 200 TR: 18 Stunden
Poolish:
- 100g Weizenmehl T65
- 100g Weizengrieß fein oder Hartweizen
- 200g Wasser
- 1g Hefe
TT: 25°C fallend 4°C TA: 200 TR: 18-24 Stunden
Hauptteig:
- 105g reifer Weizensauerteig
- 401g reifes Poolish
- 250g T-65
- 80g Wasser
- 12g Meersalz
- 30g Olivenöl (erst gegen Ende der Mischzeit untermischen)
- 2g Hefe
MZ: 8 Min. langsam / 3-4 Minuten schnell TT: 25-27°C
- Weizensauerteig, Poolish, Weizenmehl T65 und Wasser 3 Minuten am langsamen Gang mischen.
- 30 Minuten zur Autolyse stehen lassen.
- Nach der Autolyse wird dem Teig Meersalz und Hefe beigemengt und 8 Minuten am langsamen Gang gemischt.
- Olivenöl langsam untermischen und so lange am schnellen Gang kneten, bis sich der Teig von der Schale löst.
- Nach dem kneten in einer geölten Wanne lagern, und nach 20/40 Minuten einmal falten.
- Nun wird der Teig in 2 gleich große Stücke geteilt
- Jedes Teigstück wird nun locker in Form gefaltet und mit dem Schluss nach unten in einen Gärkorb gelegt.
- Die geformten Teigstücke reifen nun bei 4-6°C für 8-12 Stunden im Kühlschrank.
- Brot mit kräftigen Schwaden bei 250°C in den Ofen schieben und nach 10 Minuten auf 210°C zurückschalten. Gebacken wird das Brot 35 Minuten (zum Schluss der Backzeit Schwaden ablassen)
75 Kommentare
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Armin
Hallo Dietmar, interessanter Beitrag, mir ist aufgefallen das du 50 Prozent der gesamten Mehlmenge zu Vorteigen verarbeitet hast, wie weit kann man den Anteil von Vorteigen noch erhöhen?
Mir geht es wie Britta, auch ich habe ein Problem mit dem Zeitmanagement, was kann man da wohl tun, Hefemenge reduzieren, Temperatur herunter, meine Frau hat immer was dagegen wen ich ihr so zu sagen die anderen Lebensmittel im Kühlschrank einfriere, (wie kann man nur so kleinlich sein, geht ja schließlich um gutes Brot). Kannst du uns bitte einen Tipp geben?
Hoffentlich ist e es bei dir etwas ruhiger geworden und du konntest dich etwas erholen.
Lg Armin
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Dietmar Kappl
Hallo Armin,
der Anteil von Vorteigen/Sauerteigen ist am Ende immer reine Geschmacksache! Einzeln gesehen gibt es immer Richtwerte, die einzuhalten sind (z.B.: die zu versäuernde Roggenmehlmenge der jeweiligen Sauerteigführung), aber in Kombination mit Vorteigen entscheidet der Geschmack über die Zugabemenge!
Um die kühle Gare über einen längeren Zeitraum zu gewährleisten, sollte man folgendes beachten:
– Teigtemperatur nicht über 24-25°C, aber auch nicht unter 22°C!
– mit Hefe: 60 Minuten Teigreife vor der Verarbeitung
– ohne Hefe: 120 Minuten Teigreife vor der Verarbeitung
(längere Teigreifen führen aus meinen Erfahrungen zu einem schlechten Ausbund)
– WICHTIG: Das Brot oder die Teiglinge immer zuerst “ohne” Abdeckung in den Kühlschrank! Erst nach 60-90 Minuten mit Plastik abdecken – DER TEIGLING KÜHLT OHNE ABDECKUNG SCHNELLER DURCH 😉 Ist einmal der Teigling einmal gut durchgekühlt, kann man die kühle Gare ganz schön lange verlängern. Die verhautete teigoberfläche verschwindet durch das spätere Abdecken mit einer Plastikfolie.
– Hefemenge kann reduziert werden, aber bei 1g wird es etwas schwierig 😉 – daher würde ich es erst einmal mit den oberen Punkten versuchen.
Lg. Dietmar
(ruhiger ist es schon, aber das ist die Ruhe vor dem nächsten Sturm 🙂 )
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Armin
Devil again, das nenne ich mal eine ausführliche Antwort, ich danke dir Dietmar.
Lg Armin
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Ruth
hmm lecker 🙂
Eine Anfängerfrage 😀
wenn die Teiglinge aus dem Kühlschrank kommen, sollen sie sich noch ein bisserl akklimatisieren, oder kommen die gleich in den Ofen.
Danke
lG Ruth
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Dietmar Kappl
Hallo Ruth,
früher hab ich Brote immer mind. 30 Minuten stehen gelassen – alles Quatsch!!!
Raus aus dem Kühlschrank und rein in den Ofen – Rock’n roll 🙂
Alles was Schnitte oder rustikale Formen hat muss/soll sofort in den Ofen!
Lg. Dietmar
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Ruth
Danke, kommt mir sehr entgegen.
Möchte das Brot in der Früh rausbacken, d.h. aus dem Bett, in die Küche latschen und mal den Ofen anwerfen, Kaffee aufstellen und munter werden 😀
lG Ruth
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Dietmar Kappl
Na da kommt aber dieses Rezept gerade richtig 🙂
Lg. Dietmar
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Britta
Wieder ein tolles Rezept. Danke!
Habe gestern gerade wieder eine grosse Fuhre Dinkelsemmeln gebacken. An der Formerei für die Handkaiser beiss ich mir noch immer die Zähne aus – egal – schmecken tun sie klasse.
Aber nun zu dem neuen Rezept hier: Wäre es ein Problem die Teigreife deutlich zu verlängern, so auf 18-20 Stunden? Das würde besser in mein Zeitschema passen.
Liebe Grüße aus den Niederlanden!
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Dietmar Kappl
Hallo Britta,
ich hab zwar diese Brote nach 8 Stunden gebacken, aber wer gerne möchte kann diese auch nach 18 Stunden backen! Du musst nur darauf achten, das die Temperatur im Kühlschrank nicht zu stark schwankt (Tür auf/zu/auf/zu… 🙁 ). Wenn sich die Temperatur bei 3-4°C halbwegs konstant hält, kann man die Gare ohne Veränderung im Rezept verlängern 😉
VORSICHT: Bei einer verlängerten Gare sollte die Teigtemperatur bei 24-25°C liegen!!!
Lg. Dietmar
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Michael
yeiiiih wieder ein neues rezept 😀 😀
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Marion
Frage: Wass meinen Sie genau mit TA?
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Richard Meier
Hallo Marion,
Bin zwar nicht Dietmar, kann dir aber vielleicht auch helfen!
TA, Teigausbeute
Kennzahl für die Teigfestigkeit; die TA-Zahl ermöglicht es, Mehle nach ihrer Wasserbindekraft einzuteilen, und dient unabhängig vom Rezept zur Bestimmung der Teigfestigkeit
Beispiel TA 166 bedeutet 100% Mehl und 66% Wasser
Kannst du hier rechts unter Basics ” Gut zu wissen ” nachlesen, übrigens würde ich jedem Backneuling diese Rubrik empfehlen, hier kann jeder was lernen!
Ich hoffe, Dietmar, du hast nix dagegen, dass ich geantwortet habe!
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Dietmar Kappl
Danke Richard 🙂 🙂
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Marion
Danke Richard. Ich wohne in die Niederlande und kenne die Deutsche Begriffen zum Brot backen nicht genau. Jetzt verstehe ich es.
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