Bergsteigerstriezel
Diese Wochen waren ich und mein Brotbruder Schelli fünf Tage in Weinheim. 2 Kurse, mit je 16 Stunden geballten Wissen wurden in Theorie und Praxis gezeigt. Alleine im Roggensauerteigkurs hatten wir 25 verschiedene Rezepte gebacken. Für uns war es wichtig, unterschiedliche Sauerteigführungen in Kombination mit anderen Sauerteigen zu zeigen.
Die Teilnehmer waren erstaunt, das ein 100 % Roggenbrote (ohne Zugabe von Backhefe) bereits nach 30 Minuten Stückgare volle Reife erreicht hatten. Auch Roggenmischbrote waren nicht viel länger als 40-45 Minuten auf der Stückgare.
Ein milder, aromatischer zweistufen Roggensauerteig, der zusätzlich durch einen Weizensauerteig in der Triebleistung unterstützt wird, bringt das Backen auf ein neues Level.
Rezept
für ein Teiggewicht von 3537g / 1 Stk
Roggensauerteig Stufe 1 “Grundsauerstufe”
| 150g | Roggenmehl Type 960/1050 |
| 105g | Wasser 30°C |
| 10g | Roggenanstellgut |
- Anstellgut im Wasser auflösen und mit Roggenmehl klumpenfrei verrühren.
- Anschließend abgedeckt 12-18 Stunden bei Raumtemperatur reifen lassen.
Roggensauerteig Stufe 2 “Vollsauerteig”
| 265g | reifer Grundsauer (Stufe 1) |
| 300g | Roggenmehl Type 960/1050 |
| 430g | Wasser ca. 45°C |
- Grundsauerteig im Wasser auflösen und anschließend mit Roggenmehl vermengen (das beste Ergebnis erreicht man in der Knetmaschine mit dem Schneebesen – 5 Minuten auf Stufe 4!)
- Anschließend abdecken und warm halten.
- Zieltemperatur 32°C Der Sauerteig sollte während der Reife diese Temperatur nicht unterschreiten.
Weizensauerteig
| 100g | Weizenanstellgut oder Roggenanstellgut |
| 225g | Weizenmehl Type 550/700 |
| 225g | Wasser 35°C |
- Anstellgut im Wasser vollständig auflösen und mit Weizenmehl klumpenfrei verrühren.
- Zieltemperatur 28°C / Reifezeit 3-4 Std
Brotaroma
| 125g | getrocknetes, geröstetes und fein vermahlenes Restbrot |
| 375g | Wasser 45°C |
- geröstetes Restbrot einweichen und nach 1 Std Quellphase fein mixen.
Hauptteig
| 995g | reifer Vollsauer (32°C) |
| 550g | reifer Weizensauerteig (28-29°C) |
| 500g | Brotaroma (27-30°C) |
| ca. 400g | Wasser 45°C |
| 400g | Weizenmehl Type 550/700 |
| 400g | Roggenmehl Type 960/1050 |
| 225g | Schwarzroggen Type 2500 (oder fein vermahlenes Roggenvollkornmehl) |
| 42g | Salz |
| 25g | Brotgewürz |
Herstellung “von Hand geknetet”
- In eine große Teigwanne werden: Roggensauerteig, Weizensauerteig, Brotaroma, Wasser, Salz und Gewürz zusammen aufgelöst. Mindestens 3-4 Minuten aufschlämmen!
- Anschließend das Mehl auf die Sauerteigschlämme “sieben”. Das sieben des Mehles hat den Vorteil, das sich das Mehl leichter untermischen lässt.
- Das Mehl nun sauber unterkneten (ca. 4-5 Minuten).
- Anschließend den Teig zugedeckt 30 Minuten reifen lassen.
- Nach der Stockgare den Teig nach Wunsch aufarbeiten (bei mir 1 großen Striezel). Wichtig- nach dem Aufarbeiten den geformten Teigling mit in ein Gärkörbchen legen.
- Endgare bei Raumtemperatur 40-50 Minuten.
- Gebacken wird der Bergsteiger bei 250°C mit kräftigen Schwaden.
- Schwaden nach gewünschter Rissbildung (ca. 7-9 Minuten) ablassen und Temperatur auf 210°C reduzieren.
- Backzeit 80-90 Minuten bei einer Teigeinlage von 3500g














81 Kommentare
Kommentar erstellen
Wildes Brot
40% der GMM im Sauerteig…eigentlich experimentiere ich gerade in die andere Richtung.
Egal, das Brot wird versucht.
Antwort erstellen
Dietmar Kappl
Warum weniger oder was?
Antwort erstellen
Marco Fleckinger
Weniger Sauerteig und längere Führung kann ich nachvollziehen. Wir hatten bei uns in der Familie den Verdacht, dass bei jemandem Eisenmangel vorläge. Weil wir aber eh schon fast ausschließlich selbstgemachtes Vollkornbrot aßen und Getreideschalen (insb. Weizenschrot) der Eisenlieferen schlechthin sind, haben wir uns das genauer angeschaut.
Das Problem ist nur, dass die Phytinsäure die Aufnahme des Eisens hindern kann (Calcium, also Milch übrigens auch). Die kann man aber auch abbauen, indem man das Getreide lange genug einweicht. Weil wir das was von 12 Std. gehört haben, sind wir auf 10% Versäuerung gekommen. Allerdings machen wirs uns einfach und nehmen 100g Sauerteig auf 1000g Mehl, dann kommt man schon hin auf die 8-12 Std.
Das funktioniert auch sehr gut. Letztes Jahr im Sommer habe ich übrigens nur 75g Sauerteig gebraucht und bin zum gleichen Ergebnis gekommen. Dann im Herbst merkt man, dass 100g schon notwendig sind. Gerade bei so langen Gehzeiten spürt man Temperaturschwankungen schon noch deutlicher.
Ist halt eine direkte Methode, weshalb man auch wenig am Geschmack steuern kann. Aber das ist bei euch Bäckern auch ganz anders – der Kunde wünscht sich, dass das Brot immer gleich schmeckt. Uns ist eher wichtig, die einzelnen Prozesse irgendwo im Alltag unterzubringen.
Grüße
Marco
Antwort erstellen
Dietmar Kappl
Ja, so komplex kann Backen sein 🙂 🙂
Antwort erstellen
Hans-Dieter
Hallo Dietmar,
ich kann das Brot förmlich jetzt schon riechen. Die Fotos und die Rezeptur mit den 2 Sauerteigen haben mich inspiriert.
32C schätze mal ca 3h für die Vollreife in der 2. Stufe, oder?
Und: Bei einer Teigeinlage von 1500g ca 70″ .
Bin auf meine erste Handknetung gespannt 🙂
Viele Grüße
Hans-Dieter
Antwort erstellen
Dietmar Kappl
Hallo Hans,
jupp die 32°C für die 2te Stufe 😉
Ja mit 70 Minuten bist du voll dabei 😉
Lg. Dietmar
Antwort erstellen
Hans-Dieter
… und genau so hab ich es gemacht.
2x 1500g
Stückgare gut 100″
Und das Kneten per Hand war super lustig (klebrig).
Die Brote sind super gelungen und mich freuts wieder mal.
Kaum zu glauben, aber die Bestenliste ist wieder um ein Rezept reicher geworden.
Danke dafür!!
lg
Hans-Dieter
Antwort erstellen
Dietmar Kappl
Richtig GEIL!
HANDMADE 🙂 🙂
Antwort erstellen
Hans-Dieter
😉
Antwort erstellen
Dietmar Kappl
… und da kommt Freude auf 🙂
Antwort erstellen
Yvonne
Hallo Dietmar,
ich finde es immer wieder faszinierend, wenn man Berufskollegen noch so viel beibringen kann. :.)
Eine Frage zum Vollsauerteig : sind die 45 Grad Wassertemperatur nicht zu hoch für die Sauerteigorganismen? Ich hätte das Wasser erst mit dem Mehl vermischt und dann den Sauerteig zugegeben. Die Teigreife dauert dann auch 3-4 Stunden?
Liebe Grüße und einen schönen Pfingstmontag.
Yvonne
Antwort erstellen
Dietmar Kappl
Hallo Yvonne,
ja man lernt ja auch selber nie aus 🙂
Nee die 45°C sind nicht zu hoch – ansonsten bekommst du die gewünschte Teigtemperatur nicht 😉
Lg. Dietmar
Antwort erstellen
Christian
Gute Frage. Hab mich bisher nie getraut wirklich 45° warmes Wasser auf den ST zu schütten 😉
Vielleicht hängt es auch von der Tempertur der Schüssel ab und wie viel Masse die hat. 45° warmes Wasser in eine dickwandige Schüssel mit Raumtempertur kühlt ja sofort ab.
Gleiche Frage bei ASG aus dem Kühlschrank: Kann ich da wirklich direkt 30° oder 35° Wasser dazugeben. Oder sollte man das zuerst schluckweise machen, dass sich der ST langsam aufwärmen kann?
Antwort erstellen
Dietmar Kappl
Macht auch nichts wenn man 50°C warmes Wasser schüttet – die Endtemperatur ist das wichtigste 😉
Antwort erstellen
Thomas B.L.
Das frage ich mich schon länger. Aber Dietmar macht das immer so. Ich denke wenn man mit dem Schneebesen schnell genug ist, ich bei ca. 28grad Grundsauertemperatur schnell die 40 Grad- Marke an Wassertemperatur unterschritten.
Antwort erstellen
Kommentar erstellen